Bretter, die die Welt bedeuten...und andere Kleinproblemchen

Die Wirrungen der Zeit sind vielfältig. Einen Winter muss man erst Mal überleben, das steht fest. Ich habe hier etliche theoretische Beschäftigungsweisen, aber so gut wie keine vernünftige körperliche Auslastung, die mich wirklich erfüllen könnte. Und ich habe damit aufgehört, mir den einsatzgerechten Muskelaufbau mit dem Heckendiving allein zu retten.Heckendiving ist ein ziemlich anspruchsvoller Sport. Es mag nicht so erscheinen, aber es ist nicht nur die erforderliche Schutzkleidung bedeutend, oder der möglichst abgehärtete Hinterschädel, wenn man bei einem grazil veranstalteten Fall  mit der Schulter den unebenen harten Boden verfehlt. Es kommt vor allem auf solche Parameter an, die andere gern vergessen. Wie zum Beispiel die Dichte eines Heckengestrüpps, oder die Besetzung mit Dornen pro Quadratzentimeter, die Strauchholzhärte und der Biegungsgrad der oft widerstandsfähigen Knüppel in manchen Büschen. Es ist auf die Heckenkonstellation zu achten, auf die Schieflage von Bestandteilen, auf den Anlaufswinkel und die Anlaufsgeschwindigkeit, man darf auch nicht vergessen, dass man Windrichtung, Sternenstand und Wetter mit einbeziehen muss, und gelegentlich den Bierkonsum der Teammitglieder. Es gibt noch sehr viele Aspekte, auf die man bei einem gelungenen Heckendive angewiesen ist, aber mir geht es heute um andere Wichtigkeiten, um eine wesentliche Verbesserung der Varietät, und um ... nun gut ... etwas reizvollere Sportarten.

Das Windsurfen fehlt mir in dieser Zeit wohl mit am Meisten.

Ich bin versucht, mir alle möglichen Alternativsportarten reinzuziehen, die von der Umgebung, vom Wetter abhängig und für die Möglichkeiten passend erscheinen. Üblicherweise klappt davon nichts, und ich bekomme auch das fragliche Gerät nicht dafür zusammen.Ob es nun ein Snowboard, ein Skateboard, ein Mountainboard oder sonst ein Board ist, soll hier nicht näher beklagt werden. Auch nicht, welches Segel man darauf ann montieren kann, obwohl so etwas schon beinahe wieder essenziell sein möchte. 

Einerseits vermeide ich es, deswegen Leute belästigen zu gehen, andererseits bleibe ich nach wenigen Anstrengungen tatenlos auf der Strecke, weil ich mit meinem minderqualitativen Organisationstalent und der Unkenntnis im Herbeisabbeln von Dingen quasi gehandicapped bin. Das Ergebnis dieser ganzen Anstrengungen ist also ungleich schwerwiegender, als wenn ich etwas viel Leichteres versucht hätte, wie zum Beispiel das Interlasieren multidimensionaler Durchlagerungspunkte unter der Andwendung von Subraumkompressoren. Das kann unter Umständen ganz schön die Phasen verschieben, wenn ihr wisst, wovon ich spreche.

Aber das trägt auch nicht gerade zur sportlichen Absicherung des Qualitätslevels von dem Training ab, das ich mir für weitere Abenteuer in der Welle erschließen, oder viel mehr zu erhalten suchte.

Umso weiter sich der Herbst in die Lande drängt und die Blätter über fröstelnde Bäume ihrem Chlorophyll beraubt, desto mehr macht man sich Gedanken über Spaß habende Wintersportler auf ihren schnittigen Brettern. Bretter, die die Welt bedeuten, so wie es auch unsere Windsurf- und Wellenreitbretter, Bodyboards und Kiteboards allgemein darstellen.

In diesen Genuss werde ich vorläufig nicht kommen. Trotzdem wollte ich mein Training nicht abbauen, was der unweigerliche Folgeakt des Winterhalbjahres-Break hier sonst so ist. Man hängt den ganzen Tag hinter dieser Kiste und bekommt den Arsch einfach nicht hoch. Selbst das tägliche Spazierengehen durch die Wälder verkommt zum langweiligen Routinelauf. Irgendwann kennt man all die Ecken, an denen Pferdeäpfel herumliegen, und darauf warten, von emsigen Miustkäfern als Nester für deren Eier verschleudert zu werden. Irgendwann kennt man jeden Baum persönlich und zwar so gut, dass Gespräche über den Anbau von Rindenstrukturen zum Schutz gegen Orkanböen beinahe lebendig vorstellbar werden. Irgendwann hat man an beinahe jeder Wegabzweigung schon mal ne Stange gelbes Wasser abgestellt, und irgendwann ist man über jeden hervorstehenden Stein im Weg schon 5 Mal gestolpert, bevor man 3 Meter weiter vorne total verdreht in die Büsche geflogen ist... Heckendive par Excellence, ohne Festhalten und Stützräder.

Die Dent'sche Virtuosität jedoch bleibt unerreichbar.

Was Phillip Arthur Dent geschafft hatte, indem er über Tulpen nachdachte, während er einen Abhang hinunter stolperte, um das freie Fliegen zu erlernen, bleibt einem aufgrund von Mehrfachverschachtelungen in der Wirklichkeitsmatrix und wahrscheinlich auch wegen synchronisierungsfernen Unwahrscheinlichkeitsreversionen in der Verlaufsschiene erspart. Das sind zwar in der Tat ganz witzige Überlegungen, aber näher an ein winterverwendbares Board als eine handelsübliche spanische Wegschnecke an den Begriff von einer vehdischen Welterneuerung bringen sie mich dann auch nicht. Und das hinterlässt gemischte Gefühle, selbst wenn man  kurz nach dem Aufstehen erst so zerstreut war, dass man sich erst Mal sammeln musste.

Zunächst muss man sich täglich neu organisieren, um diese Surflose der Winterzeit halbwegs mentalsortiert hinter sich zu bekommen. Mir fehlen die Leute und die Abläufe, und man kann sich den Wind zwar in physikalisch-mathematische Details zerlegen, und sich die Wellendynamik als schematisch detaillierte Grafik als Poster an die Wand hängen, und wenn man dann sehnsüchtig an den Strand denkt, kann man sich die Brandung und die Möwen und wehende Flaggen samt Seetanggeruch und  Neoprengeknautsche beim Umziehen leibhaftig vorstellen. Allein das macht manchmal Hoffnung auf weitere sommerliche Eskapaden. Und daran ziehe ich mich zur Zeit hoch.

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Jenseits von dort bewegen mich andere Erfahrungen und Gedanken. Sie in einen kurzen Eintrag zu packen, das wäre ein vergeblicher Versuch. Es sind dafür jeweils zu viele. Mir erschließt sich die Veränderung der gesellschaftlichen Flüsse als Veränderung hin zu einem beständig sozial erkaltenden Gefüge. Ich glaube nicht, dass ich mich mit diesen Eindrücken irgendwo festzufahren beginne, und versuche ebenso beständig, mich darin zu hinterfragen, was ich erlebe und mitbekomme. Es zeichnet sich ein aus meiner Sicht latent bedrohlicher roter Faden darin ab, der  in Richtung Asozialität und -- ich nenne es mal -- Sozialfaschismus drängt, und das wage ich nicht einzig in der Medienresonanz zu sehen. Es reicht auch schon weit, wenn man mit Menschen redet, und es müssen nicht immer die sogenannten Vorzeige-Sozialfälle sein, also jene passend ausgesuchten paar Leute, die man immer als Beispiel dafür hinstellt, das zeigen sol, dass die ganzen sozial Schwachen selbst Schuld an ihrer Misere seien, und die meisten von ihnen keine große Lust auf Arbeiten oder sonst viel hätten. Ich rede von echten Menschen, und nicht von mediengerecht oder bissgerecht vermarkteten Meinungsstimulanten aus dem Sendebereich der niveaufernen Kurznachrichten-Schleudern.

Aber auch in den Reaktionen der Menschen gerade daraufhin kann man den sozial kühlen Zug erkennen, der sich ausbreitet, und gleichsymbolisch zu einem herannahenden Winter hier dann dort den Winter des sozialen Zusammenhalts einläutet. Dieser Begriff scheint längst sinnverloren zu sein, oder er wird uminterpretiert und neu geschmiedet verwendet. Subtil aber kaum merklich schleichen sich die ultrakonservativen als auch rechtsbelastenden Stimmen wieder unters Volk, und davor möchte ich zur Vorsicht anmahnen. Andere Kleinproblemchen übertreiben nicht den Hintergrund solcher Versuche, die Aufmerksamkeit eine Weile von der einlullenden Welt der Deutschland-schafft-alles - Mentalität loszulösen. Unter dieser Mentalität des neuen deutschen Wir-Gefüls scheint sich leider nicht so ganz ehrliche Absicht mit einem Hang zum verleitenden Polarisieren auf Weltöffnung und Toleranzradien zu verstecken, welches in der Ausdrucksweise negativisiert weitergegeben wird. Subtile Grundströmungen sind erkennbar, in denen man sich mit einer freiheitlich global ausgerichteten Verständigung der Völker untereinander nicht mehr heimisch fühlen kann. Neue Einschränkungen gegen Andersdenkende, und deren Neuverunglimpfung über unintelligente inordnungen nehmen wieder zu, die schwarze und rote Farbe beginnt sich abzulösen, und unter dem alt gewordenen Lack erscheint der braungetünchte Gips der Vorwelt wieder.

Mit dem neuen Deutschen Widerstand schwingt die Volksseele mit. Wieder gegen Zuwanderer und Migranten zu sein, könnte bald zum normalen Ton gehören. So fängt es wieder von vorne an, und die braune Suppe gewinnt immer mehr Zulauf aus allen Ecken und Enden. warum verhalten sich unsere erwählten Volksdirigenten so wie zur Zeit? Was haben ihnen die Elemente der Zeit gegeben, außer neuen Flegelhaftigkeiten aus der Feder der ewig Gestrigen?

Ich frage mich über die wirkliche Natur solcher Dinge, die anscheinend nur sehr wenige Leute wirklich interessieren, wenn man nicht gerade auf verschiedenen Diskussionsforen unterwegs ist. Ich finde es schade, dass ein Gespräch darüber wohl immer nur in erlesenen Kreisen, oder aber unter wenigen individuen überhaupt möglich ist. Wie viele blocken ab oder hören nicht hin? Wie viele haben keine Zeit --- etwas paradoxes in einer Gesellschaft, die unter dem Irrglauben aufgezogen und teilversklavt wurde, dass Arbeit frei mache.

Jedoch nachvollziehbar, und vor allem leichter zu verwalten, denn Menschen, die ihre Umstände, die Hintergründe und die Motive ihrer Verwaltungsapparate hinterfragen, können über möglichst auszehrende Beschäftigungstherapien davon abgehalten werden. Arbeit und Aufgabe als Beruhigungsinstrument. Geschäftigkeit als Baldrian-Tee für die Weiterführung der Zufriedenheits-Suggestion.

Ich bin zwar kein Weltverschwörungstheoretiker, aber es mag sich für manche so lesen, als drifte ich hinein in eben jene Gebiete, die von den grauen Eminenzen hinter den Reihen der  ReGIERungsmarionetten als Solche erkannt werden mögen. Ich traue diesem ganzen multipel wortverdrehten Spiel nur nicht über die Schwelle. Mir fallen verschiedene Dinge auf, und über die denke ich dann nach. Zumindest so lange, wie mich keiner mit einem wintertauglichen Board versorgt, denn danach könnte sich hier einiges ändern.

 

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